Die Wohnqualität vieler Zinshäuser aus der Gründerzeit beginnt schon beim Eintreten.
Breite Treppen, geschwungene Stiegen, gusseiserne Geländer mit Holzhandlauf, stuckverzierte Wände: Das sind einige der Ingredienzen, die für hohe Lebensqualität in Stiegenhäusern aus der Gründerzeit sorgen. Ein richtig wohliges Gefühl kommt beim Betreten so manchen Stilzinshauses auf – im Gegensatz zu den meisten Neubauten.
Woran liegt’s: Hauptsächlich daran, dass in der Gründerzeit nicht an allen Ecken und Enden gespart und optimiert wurde. Ein Stiegenhaus sollte nicht nur zweckdienlich, sondern auch repräsentativ sein. Nicht jeder Quadratmeter musste gewinnmaximierend ausgenutzt werden. Wobei dies nicht als Vorwurf an die Bauträger verstanden werden soll. Eher schon als solcher an die Politik – sie schafft nicht die nötigen Rahmenbedingungen, sondern belastet die Wirtschaft durch hohe Lohnnebenkosten und überzogene Bürokratie.
Die beiden Bilder habe ich im Stiegenhaus des Zinspalais aufgenommen, das mein Ururgroßvater Josef errichten ließ. Von solcher Qualität kann man heute im Neubau nur träumen. Die Skulptur im Erdgeschoß stammt übrigens von Josefs Tochter „Molly“.
Zugegeben, es handelt sich hier um kein durchschnittliches Zinshaus. Aber dennoch wäre es doch schön, wen wir uns heute an der Bauqualität der Gründerzeit ein Beispiel nehmen würden. Mehr Großzügigkeit und weniger Platzoptimierung wären wünschenswert.


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